AMSTERDAM – quirlig und doch idyllische Stadt „im“ Wasser

Pittoreskes, Kurioses, Kleinkunst am Wegesrand, Ateliers, Galerien und Museen von Weltruf – von Idylle pur, bis lebendig geschäftig, eine Stadt zum Entdecken, wohin das Auge reicht! Dazwischen Shops mit erlesenem Sortiment fern des Mainstreams, ganz besondere liebevoll geführte „echte“ Design-Hotels und unzählige, gute Restaurants.

Meine Aufmerksamkeit galt diesmal nicht den großen Museen, sondern der ganz besonderen Atmosphäre dieser Stadt, einer Mischung aus Tradition, frischem Geist, geballter Kreativität,  gepaart mit der außerordentlichen Freundlichkeit, mit der man sich hier begegnet.

Norbert E. Kern
Geschäftiges Treiben in der Altstadt
Idylle im Zentrum der Großstadt
Idylle im Zentrum der Großstadt

Es ist die Rede vom Herzen Amsterdams – über viele Kilometer seitwärts der historischen Grachten erlebt nicht nur der kunsthistorisch Beflissene, sondern jeder aufmerksame  Städtebummler ein emotionales Feuerwerk sinnlicher Empfindungen auf höchstem Niveau. So viele bemerkenswerte Eindrücke in kürzester Zeit – der Mensch erfreut sich seiner reaktivierten Gefühlsantennen – ein limbisch, im Hinterkopf gesteuertes Glücksgefühl stellt sich ein – getreu der These: „ich fühle, also bin ich (Zitat A.R. Damasio)“ – Euphorie pur!

Eingebettet ist diese kleine Welt zwischen den genial angelegten Grachten, einem Ringsystem aus Kanälen und Brücken, die beidseits von pittoresken Häuserreihen mit facettenreich gestalteten, schmalen Fassaden und kunstvoll verzierten Giebeln flankiert werden. Ja, eine einzigartige Museumsstadt – man bedenke, Amsterdam, immerhin eine pulsierende Großstadt, wurde über das komplette Zentrum vor einigen Jahren zum UNESCO Kulturerbe gekürt. Der langjährig intelligente Umgang mit wertvoll Bestehendem ist diese Auszeichnung zu verdanken. Und dennoch – diese gleichermaßen großartig wie auch bizarre städtebauliche Anlage ist wahrlich kein ehrfürchtig erstarrtes Kulturgut. Urbaner und lebendiger kann ein Quartier kaum sein.

Hotel Ambassade
Hotel Ambassade in der Herengracht.
Hotel Ambassade - liebevoll geführtes Kleinod in der Altstadt
Hotel Ambassade – Kleinod in der Altstadt
Liebevoll und gekonnt dekoriert
Liebevoll und gekonnt dekoriert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf den Streifzügen durch die Gassen sind mir einige besonders erwähnenswerte Shops, Restaurants und Hotels aufgefallen, die eine besondere Beachtung verdienen.

So das Hotel Ambassade, ein liebevoll geführtes Boutique Hotel an der etwas ruhiger gelegenen Herrengracht 341 in Amsterdams Altstadt. Es zieht sich über mehrere hochwertig sanierte und untereinander verbundene Altstadthäuser. www.ambassade-hotel.nl  Bereits vor dem Haus widerfährt jedem Passanten in Form visueller Kommunikation ein herzliches: Your are welchem!

Ganz in der Nähe findet sich ein weiteres Hideaway der Oberklasse das „Small Great Luxury“ Hotel Dylan, versteckt zwischen alten Fassaden in einem wundervoll sanierten Baukomplex aus dem 17th Jahrhundert in der Keizersgracht. Ein malerischer Patio im Inneren der Anlage ziert das Anwesen, welches gerne für große Familienfeiern genutzt wird – Achtung, selbst das Restaurant besser rechtzeitig reservieren!

Diese wunderschönen Hotels in aufwändig sanierter historischer Bausubstanz bestechen vor allem durch den Kontrast des bestehenden, malerisch Historischen und des hinzugefügten modernen Mobiliars. Alt und Neu wird innenarchitektonisch meisterlich wie selbstverständlich kombiniert….beeindruckend für jeden Freund des guten Geschmacks – Ja, die Holländer haben ein durchaus feines Händchen für Innenarchitektur, Raumgestaltung und Dekoration und bleiben dabei so angenehm leger. Hier lernt man schnell die Vorzüge des, auf höchstem Niveau unkomplizierten Genießens!

Noch etwas mondäner geht es im Hotel „The Grand“ im Oudezijds Voorburgwal zu, die Atmosphäre bleibt aber auch hier angenehm unprätentiös! Für mich ein sehr feines Design Hotel ohne kitschige Allüren.

The Grand, Oudezijs Voorburgwal
The Grand, Oudezijs Voorburgwal
The Grand immer mit viel Liebe zum Detail
The Grand – im ganzen Haus individuelle Dekorationen und immer mit viel Liebe zum Detail

Ein noch bekannteres Design Hotel ist das Andaz – ein wenig wie bei Alice im Wunderland, so jedenfalls das eigene Marketing. Sicher einmal interessant zum Anschauen, erreicht aber doch nur eine geringe räumliche Überzeugung und trifft daher über weite Strecken nicht meinen Geschmack! Hier das Originellste!

witzige Lösung einer visuelle Kommunikation Restaurant im Andraz
witzige Lösung einer „visuellen Kommunikation“: Restaurant im Andaz

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Gestatten Sie an dieser Stelle einen kleinen Exkurs…..

Das Einschalten professioneller Interior-Architects (Innenarchitekten), die an jede Bauaufgabe individuell und mit der Intension, mittels „visueller Kommunikation“ ein herausstechendes „Markenzeichen“ zu entwickeln, herangehen, Raum- Material- und Dekorationskonzepte auf das Objekt bezogen und fern ab des Mainstreams entwerfen, das ist hier zu Lande (Niederlande) integrativer Bestandteil nahezu aller wertiger Bauvorhaben – dies macht sich bemerkbar und letztlich vor allem mehrfach bezahlt. Schade dass in Deutschland nur selten die zu mindest ebenso hohe Kompetenz eines individuell schaffenden Innenarchitekten in Anspruch genommen wird. Häufig bedient man sich gerade im Hospitality sogenannter Hoteleinrichter, die in aller Regal normierten Standard bestenfalls anpassen, dann aber als individuelle Konzepte feilbieten und billig verkaufen – Die Gestaltungsqualität bleibt natürlich weit hinter den Möglichkeiten. Das Ergebnis ist Beliebigkeit und kostet schnell über 20 % der Jahresbelegung. In Holland hingegen wird das Motto „Raus aus der Beliebigkeitsfalle“ (Zitat Kern-Design Innenarchitektur) vorgelebt! Und dies gilt nicht nur für Hotels….

pittoreske Fassaden wertvoll Kernsanierter Häuschen - leider meist mit Pisa-Syndrom
Pittoreske Fassaden wertvoll kernsanierter Häuschen – leider meist mit Pisa-Syndrom

Im westlichen Teil der Altstadt liegt ein ganz besonderes, bizarres Einkaufskare, genannte „die 9 Strassen“ – oder holländisch: De 9 Straatjes, von Westermarkt bis Leidsegracht, dazwischen verlaufen in West-Ost Richtung Reestraat, Berenstraat, Runstraat und zum Teil deren Verlängerungen. Hier befinden sich auch die beiden oben erwähnten Hotels Ambassade und Dylan. Gassen zum Bummeln und Entdecken. In idyllischer Einkaufsatmosphäre offenbart sich ein interessantes Sortiment feiner Waren , meist aus der Fertigung kleiner Manufakturen oder individueller Labels. Es gibt luxuriöse Boutiquen, hochwertige Handwerksarbeiten, Accessoires, Antikes, Kunst und dazwischen schnucklige Cafes und Restaurants mit verlockend Angeboten.

Shoe Diction, Oude Spiegelstraat 3
Shoe Diction, Oude Spiegelstraat 3
Sehr gute Selektion aus den Kollektionen bekannter Luxusmarken
Beeindruckende Selektion aus den Kollektionen bekannter Luxusmarken
Kern-Design Amsterdam-12
Aufregend elegante Stilettos, edle Ballerinas, luxuriöse Sneekers

 

Betörende Düfte einer kleinen Manufaktur mit eigenem Shop
Natürliches Mineralwasser und betörende Düfte auf Naturbasis. Eine kleine, aber feine Manufaktur mit eigenem Shop
Hutkultur vom Feinsten
Moderne Hutkultur – wertige Materialien in Perfektion verarbeitet
Last but not least.....
Last but not least…..Käse- „Boutique“ made in Amsterdam

Zwischen den Einkäufen vielleicht ein kleiner Imbiss gefällig? In der Seafood Bar kreiert man in offener Showküche erlesene Meeresfrüchte zu leckeren Gerichten im modern frischem Ambiente (und dies ganz ohne „Fischernetz Deko-Kulisse“ – na geht doch!). Mein Tipp: Austern!

Seafood Bar - kulinarisch beste Meeresleckereien in lockerem Ambiente. Tipp: Austern!
Seafood Bar – kulinarische Meeresleckereien in lockerem Ambiente.
Offene Showküche in der Seafood Bar
Offene Showküche in der Seafood Bar

Schlendert man mit offenen Augen durch Amsterdams Gassen entlang der Grachten, entdeckt man Schönes, Kurioses und Kleinkunst aller Orts. Überall spürbar geballter Gestaltungswille in dieser so überaus kreativen Stadt, die an Originalität italienischer Konkurrenten in nichts nachsteht – auch in diesem Sinne stimmt der Vergleich: „Amsterdam – das Venedig des Nordens“

"Lady´s ante portas"
„Ladies ante portas“
Sicher eine gute Aussicht
Sicher eine gute Aussicht
"Kunst"? Liegt im Auge des Betrachters!
„Kunst“? Liegt im Auge des Betrachters!

 

Diese "African Queen" ziert mit weiteren Skulpturen das Deck eines Hausbootes
Diese  „African Queen“ ziert kurvenreich mit weiteren Skulpturen das Deck eines Hausbootes
Creativity all around: Achtung, ansteckend!
Warum das Federkleid benetzen, wenn es auch anders geht…Kreativität ist offensichtlich ansteckend!

Ich besuche den Showroom von Moooi, einer niederländischen Interior-Design Marke mit ausgefallenem, bisweilen auch frechem Design. Vor allem die keramische Kollektion könnte man als eine modern interpretierte Weiterentwicklung Delfter-Porzelans bezeichnen. Ein Besuch lohnt sich allemal – in den Seitenstrassen dieses Quartiers existieren unzählige kleine Manufakturen und Galerien. Man wird fündig von genial bis skurril – aber immer kreativ!

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Porzellan zum Gebrauch oder für die Vitrine – wertig gearbeitete Manufakturware

Ein ganz besonderes Highlight für Kunstsammler und  Liebhaber schöner Dinge ist die Nieuwe Spiegelstraat die das Altstadtzentrum unter anderem mit dem Rijksmuseum,und dem Van Gogh Museum verbindet. Vermutlich wegen der Nähe zu den bekannten Museen haben sich hier in Reih und Glied namhafte Galerien angesiedelt, deren Besuch auch lohnt, wenn man nichts kaufen möchte. Mir sind die Exponate der Galerie Lieve Hemel, einer Börse für geniales Kunsthandwerk, besonders ins Auge gefallen, exklusivste, handgefertigte Silberwaren, Glaskunst,Gemälde, Zeichnungen und aus Holz geschnitzte Alltagsgengenstände, Schuhe, Taschen Socken, BH´s,  Jacken in original Größe und einer derart lebendig perfekten Dreidimmensionaltiät, dass nur durch das unbehandelte Holz Vorlage von Kunstwerk zu unterscheiden ist.

Galerie.....
Galerie Lieve Hemel in der Niewe Spiegelstraat
zu Holz erstarrtes Alltagsgut - verblüffend lebendig!
Zu Holz erstarrtes Alltagsgut – verblüffend lebendig!
Stedelijk Museum für moderne Kunst mit Anbau, mutiges Design ist nicht automatisch ästhetisch!
Stedelijk Museum für moderne Kunst mit Anbau – mutiges Design ist nicht automatisch ästhetisch!

Nun ja, bei soviel Mut zum Design ist das Eine oder Andere auch mal diskussionswürdig. Für mich eine unstimmige Komposition aus Alt und Neu, ungebremst prallen gleichstarke Baukörper  aufeinander, buhlen laut um die Vorherrschaft, kein Bauwerk lässt dem anderen die Luft zu atmen. Man stelle sich vor, in einem musikalischen Werk wetteifern Streicher lautstark mit einer Gruppe Bläser in völlig unterschiedlichem Takt und völlig andere Melodien um die Gunst der Hörerschaft – Auha!

Interessant noch für die Freunde internationaler Luxusmarken der Haute Couture, die gegebenenfalls nicht über starke Entdeckungstriebe verfügen und zeiteffizient shoppen möchten  –  Hier ist dann vor allem die Hooftstraat angesagt, gleich hinter den Altbauten dieser Museen.

Kern-Design Amsterdam-16
Malerische Grachten von der Natur in prächtige Farben gehüllt

Über das ganze Jahr ist ein Besuch empfehlenswert, wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung. Der Herbst allerdings, ist vermutlich die schönste Zeit für eine Stippvisite. Gerade jetzt zaubert die Farbfülle der Natur einhergehend mit der Botschaft des Vergänglichen einen ganz besonderen Kontext zu den betagten Häuschen und erschafft eine faszinierend reizvolle Symbiose aus Natur und Architektur!

Letztlich ist es die subtile Mischung aus künstlerischem Schaffensdrang und experimentellem Freigeist, die auf magische Weise Erkundungszüge quer durch die bizarre Kulturkulisse einer allzeit freundlichen Stadt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt.

Norbert E.Kern

 

 

2 Gedanken zu “AMSTERDAM – quirlig und doch idyllische Stadt „im“ Wasser

  1. Wunderschöne Fotos aus einer wunderschönen Stadt! Das Stedelijk Museum habe ich seit dem Neubau noch nicht gesehen, es ist eine Enttäuschung, erster Eindruck: Ein Waschbecken, das noch eingebaut werden muss. Vielleicht sind die Räumlichkeiten ja genial.

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    1. Danke für den Kommentar…..und das Kompliment für die Fotografien. Tatsächlich ist es mein Anliegen, die Sicht der Menschen auf Dinge zu lenken, die eher nicht im Vordrgrund stehen, dafür aber sehr intensiv Atmosphärisches schaffen, das es zu vermittelt gilt! Das Schulen intensiven Sehens ist sozusagen berufsbedingtes Training.
      Herzliche Grüße aus Frankfurt am schönen Main
      Norbert E. Kern

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